Klimaproteste: Wie sich der Erfolg von Sitzblockaden auf Google Maps überprüfen lässt

Karte Verkehrslage BerlinDer Screenshot von Google Maps enstand am 9. Oktober 2019 um 14 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt blockierten Demonstrierende mehrere Brücken über die Spree.

Seit Montag protestiert die Klimabewegung „Extinction Rebellion“ mit Sitzblockaden auf Straßen, Plätzen und Brücken in Berlin und vielen Städten weltweit für eine effektivere Klimapolitik. Schon beim Klimastreik am 20. September, an dem sich in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen beteiligten, gab es Zeichen zivilen Ungehorsams und Verkehrsblockaden.

Seit kurzem tauchen während solcher Blockaden auf Twitter immer wieder Screenshots von Google Maps auf, welche die Verkehrslage zeigen – und eine Art Erfolgskontrolle von Blockaden darstellen. In der Tat ist die Verkehrslage-Funktion des Datenkonzerns gut geeignet, um zu sehen, was eine Blockade auslöst und wohin sich der umgeleitete Verkehr bewegt.

„Wenn ich wissen will, ob die Blockade auch effektiv war, schaue ich einfach auf die Verkehrslage bei Google Maps. Da sieht man farblich sehr schön, wie das Verkehrschaos ausbricht bzw. welche Plätze sinnvoll als nächstes blockiert werden können“, sagt Mirko*, der aus Lüneburg zu den Protesten angereist ist. Er will mit friedlichen Sitzblockaden ein „Zeichen gegen die Untätigkeit der Bundesregierung in der Klimakrise“ setzen, sagt er gegenüber netzpolitik.org.

Karte Berliner Innenstadt
Links sieht man den Verkehr an einem normalen Mittwoch um 14 Uhr, rechts sieht man die Verkehrslage am 9. Oktober um 14 Uhr während den Blockaden von „Extinction Rebellion“.

Google Maps greift zur Darstellung der Verkehrslage auf die Standortdaten von Smartphones zurück, sofern diese freigegeben sind. Anhand der Geschwindigkeit, mit der sich die Handys auf den Straßen bewegen, kann Google erkennen, ob der Verkehr fließt oder nicht. Die Masse an Daten aus den Android-Handys reicht aus, um aktuell und genau ein Bild der Verkehrslage zu erstellen und um Fehlerquellen wie häufig stoppende Lieferwagen auszuschließen.

Neben der Echtzeit-Verkehrslage kann man in Google Maps auch Verkehrsprognosen für Wochentage und Uhrzeiten ansehen. Diese Daten zeigen die Verkehrssituation und die Engpässe an normalen Tagen, mit einem Schieber lässt sich die Entwicklung über den Tag im Viertelstundenrythmus anschauen.

Auf heise.de gibt es eine Anleitung zur Benutzung der Verkehrslage-Funktion. Wer die Erfassung von Geodaten auf seinem Android-Handy ausschalten will, findet hier eine Anleitung.

*Name geändert, echter Name der Redaktion bekannt


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Quelle: Netzpolitik